Schüler machen Freifunk für Geflüchtete

Bereits bei Erstbezug der Flüchtlingsunterkunft im „Mehl-Hochhaus“ in Mössingen stand eine Versorgung der Bewohner mit Freifunk im Raum, aber erst im Februar 2017 nahm das Projekt auf Betreiben einer Bewohnerin konkret an Fahrt auf.

Etwa 90 Geflüchtete sollen in einem ehemaligen Bürohochhaus mit 4 Etagen mit freiem Wlan versorgt werden – am Quenstedt-Gymnasium formiert sich eine Gruppe von etwa 15 Schülerinnen und Schülern, vorwiegend aus den Informatik-Kursen der Kursstufe, die in die Projektplanung einsteigen.

Wie immer stellt sich zunächst die Frage des Internetzugangs, ein (Neu)Anschluß im Haus ist möglich, aber keiner der möglichen Verantwortlichen ist bereit, die nötige Unterschrift zur Beauftragung zu leisten, der Plan droht also bereits im April zu scheitern. Erst ein Blick auf die Karte lässt die Idee der Versorgung über den Internetanschluß des Quenstedt-Gymnasiums mittels einer Richtfunkstrecke entstehen.

Am 16.05. wird die Funkstrecke getestet, zunächst mit zwei Ubiquiti Nano M5 und zwei Laptops. Nach erfolgreicher Konfiguration der Ubiquiti-Funkbrücke im Klassenzimmer teilen sich die Schülerinnen und Schüler auf zwei Gruppen auf, mit den Laptops wird der Durchsatz ermittelt – stramme 100 MBit sollten für die Versorgung ausreichen.

Nach dem Test der Richtfunkstrecke mussten einige weitere Vorbereitungen getroffen werden: Es wurde ein Futro beschafft und als Offloader eingerichtet, die Internetanbindung des Gymnasiums wurde verbessert, in der schulischen Infrastruktur wurden Vlans eingerichtet, um das Mesh vom Keller zum Dach zu bringen.

Am 20. Juli war es dann soweit, dass die Richtfunkgeräte und ein erster Access-Point im 4. Stock des Heims montiert werden konnten.

Die Begeisterung aller Beteiligten war groß, die Belastung des zu diesem Zeitpunkt einzigen Access-Points auch, der mit teilweise 40 Clients ziemlich überlastete TP-Link 841 versagte recht regelmäßig seinen Dienst, ein Cronjob schaffte fürs erste Abhilfe durch regelmäßige Neustarts.

Am 09.08. trafen sich dann wenige hartgesottene Projektteilnehmer in den Ferien, um die restlichen Access-Points zu montieren. Im Hochhaus waren bereits durch den Versorgungsschacht Netzwerkkabel zu jedem Stockwerk verlegt, aber nicht angeschlossen. Die Schüler brachten an den Verlegekabeln Keystones an, so dass im Erdgeschoss ein Access-Point als zentraler „Mesh- Verteiler“ angebracht werden konnte.

Die Access-Points auf den Stockwerken konnten auf der stabilen Kabeltrasse montiert werden. Das Mesh auf der Funkschnittstelle wurde bei allen APs deaktiviert, das Client-Netz auf unterschiedliche Funkkanäle konfiguriert und auch die sehr freundlichen und hilfsbereiten Hausmeister bekamen noch einen Access-Point ins Büro montiert.

Seit August läuft die Installation zuverlässig und weitgehend störungsfrei, es sind ständig zwischen 30 und 60 Geräte im Heim mit dem Freifunk-Netz verbunden.

Bei den Schülern hat das Projekt zur im neuen Schuljahr zur Gründung einer „Freifunk-AG“ geführt, es bleibt also spannend in Mössingen.

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